Ich will es. Jetzt!

Wir leben in hektischen Zeiten. In Echtzeit können wir Gewitterwolken online verfolgen. Sehen was rund um den Globus passiert. Checken schon vor dem Frühstück die Mails der Arbeit. Posten auf Facebook oder Instagram jeden Schritt, den wir oder unsere Jüngsten machen.

In den letzten Jahren hat dieses Verhalten stark zugenommen. Durch die Digitalisierung können wir Informationen zu jeder Zeit abrufen oder selbst erstellen. Dies bringt einerseits grossartige Vorteile, birgt andererseits aber auch die Gefahr, dass wir zu Sklaven der Digitalisierung verkommen.

Die Menschen gewöhnen sich daran, dass sie alles sofort oder mit einer sehr kleinen Wartezeit haben können. Selbst Online-Händler sind in der Lage, dass wir die bestellten Produkte schon am nächsten Tag zu Hause haben. Ich bewundere diese logistische Meisterleistung, dennoch stehe ich der Gesamtentwicklung skeptisch gegenüber. Wenn wir alles sofort haben können, dann verlieren wir unsere Geduld und unser Durchhaltevermögen. Es wird schwieriger für uns werden, dass wir uns einer Aufgabe für längere Zeit widmen, ohne dass wir in irgendeiner Form eine Belohnung erhalten.

Dies äussert sich nicht nur im Privatleben, sondern auch im Arbeitsalltag. Wer kennt sie nicht, die stürmischen Kollegen, welche Dinge immer sofort brauchen. Auch der Spruch „Am besten gestern.“ kann man schon nicht mehr hören. Selbst eine Designagentur hat sich nach diesem Spruch den Namen gegeben: https://ambestengestern.com/

Ich finde genau an solchen Sprüchen kann man gut das Paradoxe der ganzen Situation erkennen. Der Antragsteller hat es auf irgendeine Weise versäumt, dass er rechtzeitig sein Anliegen bei einem Leistungserbringer platziert. Da er nun unter Druck steht und die eigentliche Leistung vielleicht schon hätte liefern müssen, setzt er nun den Leistungserbringer unter Druck und geht davon aus, dass man alles stehen und liegen lassen kann, um nun den neuen Auftrag zu erledigen. Dies führt allgemein dann zu einer Stresssituation und ist wiederum ein Beispiel wie unsere heutige Gesellschaft funktioniert. Man will alles möglichst schnell haben.

Wollen wir digitale Sklaven sein?

Den Umgang mit der Digitalisierung zu lernen, bedeutet auch, dass wir wieder ein neues Verhältnis zu verfügbaren Leistungen und Produkten aufbauen müssen. Klar ist es schön, wenn ich schon am nächsten Tag meine Bestellung im Briefkasten habe oder sofort nach einem Post Hunderte von Likes bekomme, aber ist es auch gesund für unsere Beziehung zur Technologie?

Ich denke kaum, dass wir den Vormarsch der Technologie aufhalten können oder sollten. Dennoch müssen wir uns wieder bewusster mit den Folgen von diesen praktisch sofort verfügbaren Mitteln auseinandersetzen. Es wird uns im Leben nur Stress, Frust und Unsicherheit bringen, wenn wir erwarten, dass wir alles immer sofort haben können. Wir müssen uns wieder mit der Kunst der Geduld auseinandersetzen und diese auch bewusst praktizieren.

Andernfalls werden wir gezwungenermassen zu digitalen Sklaven verkommen, die alles tun, um ihre kurzfristigen Gelüste und Wünsche zu erfüllen. Werden wir dann überhaupt noch in der Lage sein für etwas zu kämpfen? Geduldig zu sein, längere Zeit auf etwas zu warten und dies nicht als heroischen Akt von uns anzupreisen?

Geduld ist eine Tugend

Wikipedia definiert Geduld folgendermassen: „Als geduldig erweist sich, wer bereit ist, mit ungestillten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen zu leben oder diese zeitweilig bewusst zurückzustellen. Diese Fähigkeit ist eng mit der Fähigkeit zur Hoffnung verbunden. Geduldig ist auch, wer Schwierigkeiten, Leiden oder lästige Situationen mit Gelassenheit und Standhaftigkeit erträgt.“

Vielleicht ist unsere heutige Welt so hoffnungslos im Hier und Jetzt gefangen, weil wir verlernt haben geduldig zu sein. Grundsätzlich besitzen viele Menschen zu viele Dinge. Wir haben es verlernt kleine Dinge zu schätzen oder auf Sachen und Ereignisse zu warten. Wir springen vom der einen Dopaminausschüttung zur nächsten und werden dabei immer ungeduldiger.

Die Lösung? Verzicht und Geduld.

Beides kann man lernen… und ich bin dafür, dass wir dies auch schon unseren Jüngsten in der Schule beibringen, denn es werden Fähigkeiten sein, welche wir in Zukunft brauchen, um eine Welt zu erschaffen, die nachhaltig lebenswert ist.

Erste Schritte

Egal ob es um Verzicht oder Geduld geht, beides können wir schon heute anfangen zu üben. In erster Linie geht es mal darum, dass wir unsere Handlungen bewusster wahrnehmen und sie stets hinterfragen:

  • Fragt Euch beim nächsten Onlinekauf, ob Ihr das Produkt wirklich braucht. Vor allem bei Artikeln, die nicht viel kosten, ist diese Frage äusserst wichtig.
  • Hinterfragt nochmals, ob Ihr wirklich das Mail voller Frust schreiben wollt, weil etwas nicht so lief wie Ihr wolltet. Oder weil Ihr etwas noch nicht bekommen habt.
  • Versetzt Euch in die Situation des Gegenübers über fragt Euch, was die Gründe für eine Verspätung sein könnten.
  • Überlegt, ob wo Ihr in Zukunft in die Ferien wollt. Muss es weit weg sein? Falls ja, was erwartet Ihr genau von diesen Ferien.

Dies sind nur einige Beispiele und diese Liste kann beliebig ergänzt werden. Grundsätzlich würde ich einfach von der Annahme ausgehen, dass wir nichts brauchen und auf alles auch etwas länger warten können. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber im Grossen und Ganzen (und das merken wir nun während der Corona Pandemie) kann der Mensch auf ziemlich vieles verzichten und es muss nicht alles so schnell gehen.

Übt Euch in Verzicht und in Geduld. Nicht nur für die Welt, sondern auch für Euch selbst. Es wird Euch besser gehen mit einem etwas bescheidenerem und langsameren Leben.

Inspirationen:
https://www.t-online.de/leben/id_86854694/abschied-vom-konsum-so-lernen-sie-das-nein-sagen.html

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Geduld

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