Die Diktatur der Datensammler

Kontrollieren Google, Facebook, Amazon und Alibaba unsere Welt? Was, wenn wir in Zukunft nur noch datengesteuerte Zombies sind und unsere Freiheit für eine Sofortlieferung von Kleidern und ein paar neue Freunde auf Facebook verkaufen?

Es hatte schon immer einen leicht faden Beigeschmack, dass Migros oder Coop meine Daten bei jedem Einkauf speichern, aber ich werde ja schliesslich auch mit Punkten belohnt und kann diese wieder gegen Waren eintauschen. Auch hatte ich nie das Gefühl, dass Migros oder Coop besonders gut meine Daten analysieren und mir zielgerichtete Angebote anbieten. Aber vielleicht ist das einfach die Trägheit der Schweizer Wirtschaft.

Nach und nach unterwandern Datensammler unsere Welt mit dem Ziel bald alles über unser Leben zu wissen. Doch wissen die Datensammler überhaupt was sie mit den Daten anfangen wollen? Bleiben wir beim Beispiel Migros. Die Genossenschaft vereint unglaublich viele Firmen unter einem Dach. Unter anderem z.B. Digitec, Galaxus, Interio, Globus, Denner, Migrolino, Migrosbank, Office World, Ex Libris, Midor, Frey, Jowa und so weiter und weiter und weiter. Diese unglaubliche Konzentrierung von Macht auf einen einzigen Konzern ist schon erschreckend. Die Migros hat einen unglaublichen Vorteil, da sie praktisch vom Frühstück über das Mittagessen hin zu unserer Kleiderwahl, Wohnungseinrichtung und Bankverbindung alles nachvollziehen könnte. Glücklicherweise bin ich überzeugt, dass der Konzern dazu im Moment noch nicht in der Lage ist, denn sonst hätten wir schon ganz andere Angebote erhalten, als nur Rabattgutscheine auf bestimmte Produktgruppen, die wir sowieso in der Migros einkaufen. Die Datenanalyse hinter der Cumuluskarte scheint also bei weitem nicht so gut zu funktionieren wie wir es befürchten könnten.

Abschied von Kundenkarten

Oft wird von der Gefahr gesprochen, dass wir zu viele von unseren Daten preisgeben und so schlussendlich abhängig von Konzernen bzw. unsere Daten missbraucht werden, um noch mehr Umsatz zu generieren und den Gewinn zu maximieren. Das einfachste Mittel, um dagegen anzukämpfen ist das Nichtverwenden von Kundenkarten und Nichtteilnehmen an Bonusprogrammen. Einerseits geben wir durch die Teilnahme kostenlos unsere Daten preis und andererseits bringt es uns in Bezug auf Kostenersparnis eigentlich genau nichts. Denn wenn ich mehr kaufen muss, als ich eigentlich brauche, um in den Genuss von Rabatten, Gutscheinen oder anderen „Vorzügen“ zu kommen, dann gebe ich im Endeffekt halt doch mehr aus, als wenn ich einfach das kaufen würde, was ich benötige. Hier spielt dann natürlich die unersättliche Grundhaltung unserer heutigen Konsumgesellschaft einen wichtigen Bestandteil, aber dies soll uns hier mal nicht kümmern. Mit dem Verzicht auf Cumuluspunkte und Coop Superpunkte, verzichten wir auch gleich auf den Missbrauch von unseren Daten. Klar Migros und Coop werden uns jederzeit versichern, dass sie unsere Daten nicht missbrauchen, aber doch auch nur, weil sie zurzeit noch gar nicht in der Lage dazu sind.

Daten sind unser Gehalt der Zukunft

In den nächsten 10 Jahren wird im Bereich von Big Data, Datenanalysen und künstliche Intelligenz so viel passieren, dass Unternehmen bald in der Lage sein werden, komplexe Datenzusammenhänge zu analysieren und für sich zu nutzen. Für uns als Endkunden bedeutet dies, dass wir uns darauf vorbereiten sollten, unsere persönlichen Daten so gut wie nur möglich zu schützen. Als Privatperson will ich auf keinen Fall, dass ein Unternehmen weiss, wie sehr ich ein bestimmtes Produkt haben möchte oder darauf angewiesen bin. Denn sobald dies eintrifft, verschlechtert sich meine Verhandlungsposition um ein Vielfaches und ich bezahle tendenziell einen zu hohen Preis. Und wenn ich dann auch noch davon ausgehen muss, dass in 10-20 Jahren die Arbeitslosigkeit aufgrund von Automatisierung & Digitalisierung auf ca. 40% ansteigen wird, dann will ich auch keinen Fall einen zu hohen Preis bezahlen.

Da wäre es doch viel besser, wenn Unternehmen mich dafür bezahlen müssten, um an meine Daten zu kommen, um mir ein Produkt anzupreisen für das ich höchstwahrscheinlich einen Verwendungszweck habe. Nehmen wir an, ich interessiere mich für ein neues Bike und ändere in meinem Datenprofil entsprechend mein Interesse für ein solches Produkt. Firmen könnten nun mein Datenprofil kaufen, da sichtbar wird, dass ich mich für den Kauf eines Bikes interessiere. Ein Teil der Kosten erhält dann natürlich der Plattformbetreiber, aber ein Grossteil fliesst in meine Kasse. Wenn sich 10 Firmen für mein Profil interessieren (da ich ja eine hohe Wahrscheinlichkeit biete, dass ich ein Bike kaufe) und dafür, sagen wir mal Fr. 10.- bezahlen, dann habe ich ja schon mal Fr. 100.- eingenommen. Da die Firmen dann auch noch davon ausgehen müssen, dass ich von anderen Unternehmen auch ein Angebot erhalte, wird der Preis auch entsprechend attraktiv sein. So erhalte ich als Endkunde eine Entlöhnung für die Preisgabe von meinen Daten und gleichzeitig auch ein faires Angebot. Im Gegenzug erhalten die Firmen Daten von einem potenziellen Kunden und brauchen keine Ausgaben für Werbung oder Kaltakquisitionen zu tätigen.

Selber zu Datensammlern werden

Die Menschen sollten sich viel mehr bewusst sein, dass ihre Wünsche, Absichten, Erfahrungen und Vorhaben einen Wert haben und sie diese nicht kostenlos grossen Konzernen überlassen sollten. In Zukunft erhalten Daten noch einen viel höheren Stellenwert und wir sollten jetzt damit anfangen, eine Struktur aufzubauen, die es uns ermöglicht von unseren eigenen Daten zu profitieren. Dann dürfen wir aber auch keinen Fall die Datenstaubsauger von Konzernen wie Coop oder Migros mit unseren Daten füttern, nur weil wir unbedingt die überteuerten Pfannen mit den 24’000 gesammelten Superpunkten zum Schnäppchenpreis von Fr. 69.90 kaufen möchten, da wir ja zuhause nur 10 Pfannen zur Verfügung haben.

Viel besser wäre doch, wenn Coop uns dafür bezahlt, dass er uns mitteilen darf, dass er ein Pfannenset im Angebot hat, welches wir für Fr. 59.- kaufen könnten. Und wir gleichzeitig auch von der Migros Fr. 2.50 erhalten, damit sie uns mitteilen kann, dass sie auch ein Pfannenset hat, welches aber nur Fr. 55.- kostet.

Mitleid ist nicht notwendig

Es kommt mir ja schon fast ein bisschen fies vor, dass ich von Firmen Geld verlangen könnte, damit diese mir ein Produkt anbieten dürfen. Die armen Firmen haben dann ja sicher eine schwierige Zeit und verdienen fast nichts mehr…

Kein Grund zur Sorge! Die Firmen werden auch dann noch genügen verdienen, da sie ja viel zielgerichteter werben können und keine Streuverluste mehr hinnehmen müssen. Ausserdem sind die Margen in gewissen Branchen so hoch, da schmerzt es die Herren in den Geschäftsleitungen kaum, wenn sie noch ein paar Franken an einen potenziellen Kunden abtreten müssen.

Ich denke, dass wir mit gutem Gewissen eine Entlöhnung für die Preisgabe von unseren persönlichen Daten entgegennehmen können.

Inspiration und Quelle:

Buch: Die Smarte Diktatur, Harald Welzer, ExLibris

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s